Ich kann Sport eigentlich nicht leiden, aber American Football scheint ganz nett zu sein. Diese absonderliche Mischung aus durch und durch formalisiertem Vorgehen, der das ganze fast nach einem Brettspiel aussehen lässt, und dem aus allen Klischees bekannten lauten Aufeinanderknallen und der Brutalität in kleinen Mengen hat schon einen ganz eigenen Reiz. Dazu kommt dann noch, dass der hiesige Lokalverein ganz erfolgreich ist, das Gewinnen (respektive “gut genug verlieren”) in zwei von drei Spielen aber trotzdem ganz schön knapp gemacht hat, so dass auch die letzten Minuten noch interessant waren, aber insgesamt die Meisterschaft fast sicher ist0.
Allerdings habe ich den Nutzen der Cheerleader noch nicht verstanden. Gut, der Sport ist verdammt anstrengend und verletzungsintensiv1 und wird in der Hinsicht gar nicht angemessen eingeschätzt; aber insgesamt sind die Cheerleader für mich als Zuschauer doch eher störend. Meistens versperren sie einem tanzend die Sicht, bauen ihre (zugegeben sauschweren, aber dennoch undurchsichtigen) Pyramiden oder versuchen verzweifelt, die Leute zum Mitgröhlen zu bewegen, aber irgendwie überzeugt mich das ganze nicht so recht. Aber vielleicht sind die auch einfach nur zu unerfahren, immerhin haben die erst bei drei Spielen gecheert und können noch nicht mal alle die Regeln3 – wenn man dann noch die meiste Zeit auf das Publikum statt auf das Spiel schaut kann es schon mal passieren, dass man klatscht, wenn die Gegner mal wieder Punkte gemacht haben.
Besser wäre es, wenn man die Cheerleader irgendwie neben (statt vor) das Spiel packen könnte, das würde alles ein wenig übersichtlicher machen.
Nein, also, jedenfalls: nett. Fast schon schade, dass ich in zwei Wochen beim mutmaßlich Entscheidungsspiel noch weg bin. Aber wenn jemand Freikarten will – ich hab nicht nur noch welche von Anika, sondern auch noch welche von denen, die in der Mensa auslagen. Denn zwei Euro sind viel Geld.
0 Meister in einer Liga aus vier Mannschaften, aber immerhin Meister.
1 Ein einziger unachtsamer Moment kann einen zu Besuchen bei mehreren Fachärzten oder, am Wochenende, den entsprechenden Abteilungen im Krankenhaus führen. Bei anderen Tätigkeiten, wie zum Beispiel XML-Programmier-Mist, kann sowas auch passieren; das ist allerdings weit weniger üblich. Mit beiden Sorten von Unfällen habe ich inzwischen Erfahrungen, allerdings mit den Cheerleading-Unfallen nicht am eigenen Leib (Die wollten mich nicht im Team, ich hätte mir meinen Bart abrasieren müssen2). Wenn man Sportler kennt lernt man nach und nach lauter krasse Verletzungen kennen, von denen man vorher noch nie etwas gehört hat.
2 Tusch!
3 Aus Gründen, die im Detail verschwiegen bleiben aber nahezu offensichtlich sind, saß ich heute neben den frischesten Opfern der oben genannten (und weiterer) Cheerleaderbeschädigungen.
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