Beginnen wir mit einem Fobs-Zitat zur Einstimmung:
“Er spielt jetzt besser als ich. Er hat sich nämlich ein Schachbuch gekauft.”
“Hat er es denn auch gelesen?”
“Darauf kommt es nicht an.”
Ohne es zu merken habe sich in den letzten Jahren in meinen Regalen aus den verschiedensten Quellen Ratgeber zu den unterschiedlichsten Themen angesammelt. Sie versprechen Hilfe gegen Prüfungsangst oder Rat beim Schreiben erotischer Literatur, Anleitungen zum
nachhaltigen Scheißen im Wald, leiten zu einem postmodernen Lebensstil an, lehren die “Geheimnisse” der Kabbala oder geben Hilfe bei der Planung einer akademischen Karriere nach dem Dr-Titel – und vieles mehr, jedenfalls, hier steht ein Haufen komischer Bücher rum, die neben ihrem Aufenthaltsort und ihrem Besitzer nur eines gemeinsam haben – ich habe sie nicht ganz gelesen, viele davon nur überflogen, und beherzigt werden sie erst recht nicht (abgesehen von den Ratschlägen für ein postmodernes Leben, klar).
Aus gutem Grund, denn die meisten dieser Ratgeber brauche ich überhaupt nicht; als Beispiel sei nur genannt, dass ich nie mehr als ein paar Stunden im Wald bin, und auch wenn ich inzwischen einen Klappspaten besitze (war im Angebot bei Lidl) lege ich es nicht darauf an, ihn benutzen zu müssen. Aber das ist auch gut so, denn die Ratschläge aus den meisten dieser Bücher scheinen dubios oder banal zu sein, so dass ich mich glücklich schätze, nicht auf sie angewiesen zu sein.
Und gerade deshalb ist es irgendwie angenehm und beruhigend, diese wirre, nutzlose und immer mehr wachsende Mischung gut gemeinter Ratschläge in meiner Nähe zu wissen. Wahrscheinlich betrachte ich sie unterbewusst nicht als Bücher im eigentlichen Sinn, nicht als Datenträger für mehr oder weniger wertlose Informationen, sondern als abstrakte Symbole für… äh… irgendwelche Konzepte. So wie ich die satanischen Verse neben den Koran stelle und den Bakunin auf An End to Evil gelegt habe, bloß mit ganz anderen Hintergedanken.