Wirklich priviliegiert zu sein bedeutet in meinen Augen unter anderem, dass man nach Lust und Laune Leute und Firmen (zum Beispiel Apple, wegen ihrer unverschämten Garantiekostenverlagerungspolitik) verklagen kann, ohne sich Gedanken um die Details oder gar die Finanzierung machen zu müssen. Da schweinereich zu werden in meinem Fall auf absehbare Zeit eher eine unwahrscheinliche Option ist, ärgerte ich mich eine Zeit lang, dass ich keinen Anwalt als besten Freund habe, denn der könnte dann als Freundschaftsdienst all jene, die mich verärgern, verfolgen und in Grund und Boden klagen.
Irgendwann, als ich gerade eine geistige Liste der zu Verklagenden aufzustellen begann, erschien mir diese Lösung doch etwas unglaubwürdig. Auch Freundschaft hat gewisse Grenzen, und meinen besten Anwaltsfreund die ganze Zeit kostenlos arbeiten zu lassen, das geht doch nicht. Stattdessen sollte ich einem Spitzenanwalt mit einer großen Kanzlei das Leben (und das seiner Familie, bis in die dritte Folgegeneration) retten, so dass er aus Dankbarkeit all meine Feinde verklagen würde, wohlwissend, dass dies selbst in Jahrzehnten nur einen Bruchteil seiner Ehrenschuld bei mir tilgen kann.
Aber irgendwie ist das auch eher unwahrscheinlich und konstruiert, deswegen denke ich zur Zeit über eine andere Lösung nach. Schweigende Massen, ist Gehirnwäsche wirklich so leicht, wie es in manchen Kaltkriegsfilmen dargestellt wird? Oh, bittersüße Möglichkeiten! “Des Waldes Dunkel zieht mich an, doch muß zu meinem Wort ich stehn und Meilen gehn bevor ich schlafen kann, und Meilen gehn bevor ich schlafen kann.” Und dann klagen sie, klagen, bis alles in Schutt und Asche liegt! Klagt, meine Kreaturen, klagt! KLAGT!
Jäh trifft mich der Realismus, das gnadenlose Jetzt und Hier; und ich beschließe, das Telefonat mit dem erbarmungswürdigen Handlanger der Servicehotline abzuwarten. Trotzdem, schon jetzt hat Apple bei mir an Sympathie verloren. Doch das erzähle ich ihnen nicht, denn meinen Zorn lasse ich wachsen, gieße ihn mit meinen Ängsten und Tränen, bis sich Apple an dem so heranwachsenden Apfel selbst vergiftet. Meine Name ist Erdferkel, seht meine Werke, oh Ihr Mächtigen, und verzweifelt!
Der Rest ist Schweigen.
Schweigen, und ein knapper Verweis auf Blakes Tiger, denn in meiner Banausenhaftigkeit bringt mich der “eye/symmetry” Reim stets zum Schmunzeln. Damit wurde auf vier englischsprachige Gedichte, ein Schauspiel und einen Film verwiesen und dem Bildungsauftrag genug nachgekommen.
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Comments
Fri, 19.12.2008 11:02
Ich bin schon bald eine Woche lang wieder da, hatte und habe aber viel zu tun.
Wed, 17.12.2008 09:47
Dafür haben wir hier britische Suppe. Wann kommst du wieder?
Tue, 16.12.2008 09:20
Ich weiß leider nicht im Detail, wie eine solche Regel arbeiten soll (und gerade keine Zeit, um nachzulesen). Aber wie [...]
Mon, 08.12.2008 00:30
Was nicht viel nutzt, denn ich bin eh viel drinnen, aber nett ist das trotzdem.
Sun, 07.12.2008 23:27
Oh, auch gut. Halte ihn in Ehren und behandle ihn gut! Er hat eine gewisse Vorgeschichte, denn vor mir gehörte er einem, [...]