Vor rund drei Monaten oder so fragte mich Mattias, was ich von Wolframs Kopfgeld auf die kleinste universelle Turingmaschine halte, und meine Antwort war irgendwas zwischen “höm” und “meh”.
Vor zwei Wochen fand ich einen Beweis, der eine (beliebige) universelle Turingmaschine benutzt und dessen Ergebnis um so besser wird, je kleiner diese Maschine ist, so dass für mich plötzlich echter Bedarf an einer kleinsten UTM bestand. Das ist dann wohl Ironie und war für mich ein Grund, ausführlich die einschlägige Literatur mit verwandten Feldern zu studieren. Dabei wanderte ich irgendwann von Turingmaschinen zu Tag-Systemen, und konnte sogar Wolframs Kampfschrift sinnvoll nutzen, zumindest wegen der Referenzen.
Gestern fand ich dann nach fünf oder sechs Stunden intensiven Schreibens einen hinterhältigen Fehler in meinem Beweis, und nachdem ich den ausgemerzt hatte musste ich feststellen, dass all meine schönen Optimierungen nicht funktionieren können und das meine Recherchen zwar bildend, aber für diesen speziellen Fall nutzlos waren. Das ist so ironisch wie Regen am Tag der Hochzeit, aber die Braut ist sowieso davongelaufen, oder wie wenn man mit 98 im Lotto gewinnt und am nächsten Tag stirbt, aber der Gewinn wäre dann wegen der unoriginellen Zahlen eh niedrig gewesen, oder eine Freifahrt, wenn man schon bezahlt hat, aber die Fahrt fällt sowieso aus… Ihr wisst, was ich meine. Lehrreich war es dennoch, sowohl als Aufforderung, seinen Horizont nicht künstlich klein zu halten, als auch für spätere Probleme.
Und glücklicherweise funktioniert der Beweis immer noch, auch wenn ich für die neue und vom Resultat her nicht ganz so schicke Version gestern nochmal so fünf oder sechs Stunden frickeln durfte. Dabei musste ich sogar Programme von Registermaschinen optimieren und in ein anderes Modell übersetzen, was ungefähr das gleiche ist, wie von Hand Assemblerprogramme auf eine besonders schicke Binärdarstellung zu optimieren. Aber in kleinen Dosen kann das sogar Spaß machen, ich programmiere ja eh so selten.
All dies verdanke ich einem semi-obskuren und nahezu nur von den sektiererischen Gefolgsleuten des P. zitierten Artikel von K. aus Bratislava. Was viele nicht wissen ist ja, dass Bratislava auf Deutsch weit weniger elegant klingend Pressburg heißt oder hieß, und nicht etwa Breslau. Breslau ist Wrocław, was einige (wie zum Beispiele eine aus dem Akademischen Auslandsamt, mit der ich kürzlich zu tun hatte) für Warschau halten, aber Warschau ist, natürlich, Warszawa. Das mit diesen Städtenamen ist eh so eine Sache, zum Beispiel heißt ja auch Bombay inzwischen Mumbai und Kalkutta Kolkata, woran mich meine indische Bekannte unermüdlich erinnerte. Natürlich spielte ich mit und verwendete aus Absicht die traditionellen Namen, bis ich eines Tages den Spieß umdrehen konnte, weil ich eher als sie die Nachricht über die Umbenennung von Bangalore in Bengaluru (Bohnenstadt) mitbekam.
Oh, und wo wir gerade dabei sind, ein Tip. Als ich vor knapp zwei Monaten in Turku war, hat mir ein Pole erzählt, dass Tschechisch, Slowakisch und Polnisch sich stark ähneln und Polnisch die leichteste der drei Sprachen sei, aber gerade deswegen solle man Tschechisch oder Slowakisch zuerst lernen und dann Polnisch einfach so mitnehmen, denn andersrum sei das sehr schwer. Nun weiß ich nicht, ob er das ernst gemeint hat und ob er das als Muttersprachler überhaupt beurteilen kann, aber ich gebe das einfach mal an die mitlesenden schweigenden Massen weiter.
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Comments
Fri, 19.12.2008 11:02
Ich bin schon bald eine Woche lang wieder da, hatte und habe aber viel zu tun.
Wed, 17.12.2008 09:47
Dafür haben wir hier britische Suppe. Wann kommst du wieder?
Tue, 16.12.2008 09:20
Ich weiß leider nicht im Detail, wie eine solche Regel arbeiten soll (und gerade keine Zeit, um nachzulesen). Aber wie [...]
Mon, 08.12.2008 00:30
Was nicht viel nutzt, denn ich bin eh viel drinnen, aber nett ist das trotzdem.
Sun, 07.12.2008 23:27
Oh, auch gut. Halte ihn in Ehren und behandle ihn gut! Er hat eine gewisse Vorgeschichte, denn vor mir gehörte er einem, [...]