Nimmt man eine tiefgekühlte Bratwurst aus dem Eisfach und filmt sie beim Auftauen, so ist das Resultat im Allgemeinen kein besonders interessanter Film, nicht einmal für die meisten professionellen Filminterpretierer. Dem Zuschauer an sich erschließt sich ein solches Werk jedoch recht schnell; spätestens nach wenigen Minuten erkennt man, woran man ist, und nur die wenigsten bleiben bis zum Ende.
Selbst wenn der Macher, ausgehend von dieser Prämisse, die eine oder andere Wendung oder Pointe einbaut (“Die Wurst war vegetarisch!”), so lässt sich der geschulte Geist nur selten täuschen. Anders, ganz anders, oder vielleicht auf eine gewisse Art genauso, ist da das Leben. Denkt man gewöhnlich, in einem moderenen (oder postmodernen, da wollen wir gar nicht drüber diskutieren) Werk zu leben, in dem alles ohne größeren Plan und ohne ordentliche Struktur vor sich hinströmt, so verleiten einen immer wieder Stücke von Geschichten, ein größeres Schicksal zu erwarten. Und manchmal, wenn man noch nicht vollkommen alt und zynisch ist, manchmal lässt man sich darauf ein und hofft, hofft darauf, dass die Geschichte angemessen endet und das Leben unterhaltsame, freundliche Kunst imitiert.
Und natürlich wird man fast immer enttäuscht und wundert sich kein Bisschen. Hinterher. Mein liebstes Beispiel dafür ist die Sache mit den Nachfolgen des Putzroboterwettbewerbs und meinem 23. Geburstag, die ich zwar nicht bloggen werde (wobei ich nicht ausschließen will, dass sie vielleicht in den Tiefen des Archivs verborgen liegt), aber doch gerne fast jedem leidenschaftlich vortrage; weit weniger fundamental, aber im Kleinen strukturell ähnlich und recht schnell erzählt, ist der eigentliche Anlass dieses Postings.
Auf der Bücherhalde meiner Eltern fand ich eine (übersetzte) Ausgabe von American Gods, in der ich gestern Abend einen ausgefüllten Lotto-Schein entdeckte, ausgefüllt für eine einzige Mittwochsziehung. “Oho!”, rief ich, dem Glücksspiel durchaus zugeneigt und (da tagesaktuell) informiert, “Ein Zeichen!” Nun habe ich früher vielleicht nicht die besten Erfahrungen mit Zeichen gemacht, dennoch, diesen Schein musste ich natürlich abgeben, oder zumindest einen äquivalenten, bis auf die Nummer genau kopiert.
Aber, ach, wie zu ahnen war: Nicht mal einen Dreier gab es für das Mistding!
Zum Abschluss greifen wir das Eingangsthema wieder auf, Wurst im Film. Eine der wenigen wirklich fertig vorgestellten Szenen des Films, den ich immer noch irgendwann drehen will, zeigt einen Raucher, der gerade dabei ist, sich eine Zigarette anzuzünden. Die Kamera folgt seinem Blick vom widerspenstigen Feuerzeug über den Boden zu einem Paar von Springerstiefeln, welche zu einem fies guckenden Skinhead gehören, der mit einer Salami bewaffnet ist. Aus dem Hintergrund taucht eine Horde gleichsam salamitragender Gefährten auf, und gemeinsam verprügeln sie den wehrlosen Raucher mit ihren Würsten. Dazu wummernde Musik, und ein gebrülltes “Wurst ist Fleisch! Fleisch ist Leben! Mit diesem Leben bringen wir den Tod!”
Ich wollte nur festhalten, dass ich diese Idee schon vor vielen Jahren hatte, was all die armen Opfer bezeugen können, die sie sich immer wieder anhören mussten; jedenfalls, ich will betonen, dass ich dazu nicht von der Salami Fighting Association inspiriert wurde, die aber auch recht ansehenswert ist.
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Comments
Fri, 19.12.2008 11:02
Ich bin schon bald eine Woche lang wieder da, hatte und habe aber viel zu tun.
Wed, 17.12.2008 09:47
Dafür haben wir hier britische Suppe. Wann kommst du wieder?
Tue, 16.12.2008 09:20
Ich weiß leider nicht im Detail, wie eine solche Regel arbeiten soll (und gerade keine Zeit, um nachzulesen). Aber wie [...]
Mon, 08.12.2008 00:30
Was nicht viel nutzt, denn ich bin eh viel drinnen, aber nett ist das trotzdem.
Sun, 07.12.2008 23:27
Oh, auch gut. Halte ihn in Ehren und behandle ihn gut! Er hat eine gewisse Vorgeschichte, denn vor mir gehörte er einem, [...]