Mein Mentor — Betreuer klingt so schrecklich nach Pfleger — diagnostizierte mir vor langer Zeit einen “kuriosen Büromittelfetischismus”, was gewiss nicht nett formuliert, aber doch teilweise verständlich ist (wir erinnern uns).
Eigentlich bin ich in der Hinsicht ein Freund des Fortschritts, Nutzer modernster Hefttechnologien, wobei ich (anders als bei meiner Musik) auf Elektrizität verzichte, und doch schätze ich die Geschichte des Heftertums. Daher empfehle ich eines der wertvollsten Blogs des ganzen Internet, das (ein wenig unehrlich benannte) Stapler of the Week. Erblickt die wunderbare Welt historischer Hefter!
Nebenbei erinnert mich das daran, dass ich hier noch einen fast fertigen Artikel über das Eisenbahnmuseum von Sacramento rumliegen habe, der wie meine Verteidigung der Linguisten und meine schreckliche Geschichte über ein Hippiepeniswebcomic eigentlich schon längst hier stehen sollte. Weniger fertig, aber schon lange geplant, ist meine Ode an den Heftklammernentferner, das wertvollste Hilfsmittel überhaupt. Doch Konzentration ist wertvoll, und viel zu viel davon verzehrt die Plackerei in den Beweisminen.
Die meisten Studierenden dürften mit der folgenden Szene trotz ihrer Unschärfe eine gewisse Verbundenheit empfinden:
Dies war allerdings kein subversiver Kommentar geknechteter Drittsemester, sondern lediglich etwas in der Art einer Anwerbeaktion einer Marketingfirma.
Aufmerksame Beobachtende bemerken, dass es an unserem Campus Säulen gibt; Säulen aus echtem Stein, keine Imitate aus Holz oder Blech.
Aus den Gepäckbedingungen der Airline bmi:
Saudi Arabia – UK: Up to 10 litres of holy water in a single container (shrink wrapped and secure) is permitted as hold baggage to the UK in addition to normal allowance. The holy water container cannot be carried as hand baggage.Aus Frankreich oder Italien hingegen geht das nicht, was wahrscheinlich daran liegt, dass Katholiken doch bitte anglikanisches Weihwasser zu benutzen habe.
Jedenfalls, mal wieder eine Reise im Dienst der Wissenschaft. Jener ist übrigens recht zeitintensiv, mein fortgesetztes Schweigen hier ist vor allem darauf zurückzuführen — doch fand ich, ach, vor anderthalb Wochen tief in den Beweisminen ein kostbares Kleinod, das ich in den letzten Tagen schliff und polierte. Besonders froh macht es mich, dass ich (soweit ich mich erinnern kann), noch nie zuvor einen wichtigen, veröffentlichenswerten Beweis schuf, der ganz ohne Fallunterscheidungen auskommt. Demnächst mehr Blogaktivität, wenn mir nicht ein paar besonders gute Ideen dazwischenkommen.
In einer kurzen Pause zwischen zwei Schichten in den finsteren Beweisminen fiel mein Blick auf Holgers Polemik, die mich daran erinnert, dass ich schon länger mal den Chomsky1 ausgraben wollte. Den, beziehungsweise ein Zitat von ihm, das ich vor längerem fand; nicht zu den weichen Fächern0 allgemein, sondern zu Postmodernismus und -strukturalismus:
I have spent a lot of my life working on questions such as these, using the only methods I know of; those condemned here as “science”, “rationality”, “logic” and so on. I therefore read the papers with some hope that they would help me “transcend” these limitations, or perhaps suggest an entirely different course. I’m afraid I was disappointed. Admittedly, that may be my own limitation. Quite regularly, “my eyes glaze over” when I read polysyllabic discourse on the themes of poststructuralism and postmodernism; what I understand is largely truism or error, but that is only a fraction of the total word count. True, there are lots of other things I don’t understand: the articles in the current issues of math and physics journals, for example. But there is a difference. In the latter case, I know how to get to understand them, and have done so, in cases of particular interest to me; and I also know that people in these fields can explain the contents to me at my level, so that I can gain what (partial) understanding I may want. In contrast, no one seems to be able to explain to me why the latest post-this-and-that is (for the most part) other than truism, error, or gibberish, and I do not know how to proceed. (Quelle)
But from 50 years in this game, I have learned two things: (1) I can ask friends who work in these areas to explain it to me at a level that I can understand, and they can do so, without particular difficulty; (2) if I’m interested, I can proceed to learn more so that I will come to understand it. Now Derrida, Lacan, Lyotard, Kristeva, etc. —- even Foucault, whom I knew and liked, and who was somewhat different from the rest —- write things that I also don’t understand, but (1) and (2) don’t hold: no one who says they do understand can explain it to me and I haven’t a clue as to how to proceed to overcome my failures. That leaves one of two possibilities: (a) some new advance in intellectual life has been made, perhaps some sudden genetic mutation, which has created a form of “theory” that is beyond quantum theory, topology, etc., in depth and profundity; or (b) ... I won’t spell it out.Anders als Holger hatte ich bisher keinerlei Probleme, diverses Zeugs auf einem mir genehmen Niveau erklärt zu bekommen, wahrscheinlich kenne ich einfach mehr und nettere Naturwissenschaftler.
Als Ratgeber zum Thema Zufallszahlen rate ich übrigens eher zu Mathema- oder Informatikern (Strukturwissenschaftlern!) als zu Physikern oder Biologen, man befragt mich ja auch nicht zum Thema Quantenbakterien.
Beantwortung von Mails und Kommentaren in Kürze, Ihr kennt das ja.
0 Hähähä.
1 Mein katalanischer Mitbewohner, damals dort unten in Spanien, studierte Public Relations und kannte Chomsky nur als Anarchisten, nicht als Urgestein der Linguistik oder alphabetisch ersten Namensgeber der Chomsky-Schützenberger-Hierarchie [2] . Ihr, werte schweigende Massen, wisst hoffentlich von beiden Aspekten und kennt Chomsky hoffentlich als beides und nicht nur als Typen auf einem Plakat in der Wohnung von Paris und Doyle (“Jonathan”).
2 Aussprache des letzteren französisch, wie auch die Nennung an sich — nicht der Politik oder Anbiederung halber, sondern aufgrund des großen Warum-auch-nicht.
Heute morgen bei MeFi gefunden: Rasierschaum ist Beschiss. Oder eher — Behshhhaving cream, be nice and clean (mp3).
Oh, Nostalgie! Doch irgendwann zwischen 2000 und hier ging mir das mp3 verloren. Dank sei archive.org, wo sich noch mehr von jenem findet, zum Beispiel There Ain’t No Santa Clause (mp3), was — natürlich — hieran denken lässt. Am Anfang des Videos gibt es übrigens eine Anspielung auf die Dionne-Fünflinge, was heutzutage recht obskur ist.
Genug gefrühstückt, ab geht’s in die Beweisminen. Email-Beantwortung in Kürze.
Ein wenig überrascht es mich schon, dass ich jetzt erst mitbekommen habe, dass der früher als Lord British bekannte Richard Garriott inzwischen Weltraumtourist ist. Schön, dass es auch mal einen von mir geschätzten Spielentwickler gibt, der schweinereich geworden ist.
Mein erstes Ultima VII war oder auch Martian Dreams, das ist Definitionssache, denn ersteres wurde genau an dem Tag mit der Post geliefert, an dem ich mir das andere für 10 Mark im Sonderangebot kaufte. Damals. Durchgespielt habe ich V, VI, VII, VII-2, VIII, Martian Dreams und Savage Empire, angespielt außerdem I, IV und Underworld (doch die waren mir dann viel zu altertümlich, das wollte ich mir nicht antun). IX hingegen meide ich noch immer, denn ich fand VII schon schlimm, und außer Holger kann den keiner leiden — das ist mir zu riskant.
Mein erstes Origin-Spiel hingegen war Tangled Tales, und das in dem Blogeintrag erwähnte Mistviech habe ich nie besiegen können. Stattdessen habe ich (am Abend des 13. Januar 2005) mit einem Hex-Editor ein Savegame manipuliert und das Monster so umgangen. Man lässt sich ja nicht alles bieten.
Computerspielnostalgie… wie nerdig.
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Comments
Fri, 19.12.2008 11:02
Ich bin schon bald eine Woche lang wieder da, hatte und habe aber viel zu tun.
Wed, 17.12.2008 09:47
Dafür haben wir hier britische Suppe. Wann kommst du wieder?
Tue, 16.12.2008 09:20
Ich weiß leider nicht im Detail, wie eine solche Regel arbeiten soll (und gerade keine Zeit, um nachzulesen). Aber wie [...]
Mon, 08.12.2008 00:30
Was nicht viel nutzt, denn ich bin eh viel drinnen, aber nett ist das trotzdem.
Sun, 07.12.2008 23:27
Oh, auch gut. Halte ihn in Ehren und behandle ihn gut! Er hat eine gewisse Vorgeschichte, denn vor mir gehörte er einem, [...]