Da ich nur an der Uni Internet habe und dort, auch dank der Busse, zur Zeit eher unflexibel bin, schreibe ich meine Artikel in Zukunft in meiner Wohnung und poste sie dann in einer willkürlichen, nicht unbedingt chronologischen Reihenfolge.
Als erste Seite nach mehrtägiger Internet-Abstinenz, als erste Seite von Spanien aus, wünscht man sich nicht gerade eine Nachricht über den Tod von Stanislaw Lem. Gleich darauf wurde ich von der von Lem im verlinkten Artikel erwähnten informatischen Sintflut erschlagen; in Feedreader und Postfächern hatte sich in der kurzen Zeit eine Bazillion an Banalitäten angesammelt, in der gewiss die eine oder andere wichtige Nachricht untergegangen ist.
Während man in Kaiserslautern provinztypisch gewissen in echten Städten längst vergangenen Trends hinterherjagt (wie hieß der andere Hype von damals nochmal, Bluetoothing?) ist meine neue Uni super-aktuell und hat sich bereits eine Katz-Domain gekrallt, die mir in Kürze zu einer top-level-katzigen email-Adresse verhelfen wird. Findige Geister mögen sich ausmalen, was eine URV-Katze ist; bessere Erklärungen als “Ultra-Radiation-Viech” können in den Kommentaren hinterlassen werden.
Weiterhin muss ich mich ein wenig beklagen. Mit Ryanair von Hahn nach Reus (Betonung auf der letzten Silbe) zu kommen war leicht, aber vom Flughafen zum Bahnhof fahren nur Busse mit 20 Sitzplätzen; nur einer glücklichen Fügung war zu verdanken, dass ich nach der komischen Schülergruppe noch in den Bus durfte. Der Zug nach Tarragona war dann wieder leicht zu kriegen; dafür kam dann die lustige Überraschung. Weder war aus der Karte ersichtlich, dass es vom Bahnhof zum Wohnheim gute 2 Kilometer sind, noch dass dazwischen eine Treppe knappe 100 Meter Höhenunterschied überwindet und die Strecke ansonsten fast permanent bergauf verläuft. Dazu noch 25°C, meine Jacke und 25 kg Gepäck. Anfangs fand ich es einfach nur absonderlich, vollbepackt und schwitzend Tarragonas Hauptpromenade entlangzulaufen, die (warum auch immer) von Pferdefuhrwerken umkreist wurde. Später, nachdem ich durch einen Park mit Brücke in der Mitte eines Kreisverkehrs abkürzen wollte und feststellte, dass ich in einer von zwei Spuren fiesesten Stadtverkehrs umzingelten Sackgasse gelandet war und dabei einen Umweg von 400 Metern gemacht hatte und außerdem einem japanischen Paar ins malerische Brückenbild gelatscht bin, also, in diesem Moment beschloss ich, einfach anzunehmen, dass ich tot und im Fegefeuer wäre. Diese Deutung hilft einem in vielen Lebenslagen weiter, lässt einen sein Los leichter ertragen und erklärt außerdem einen großen Teil der Filme von David Lynch.
Übrigens muss ich mir mein (großes) Zimmer (ortstypisch) mit einem Katalonier teilen, der (ortstypisch) kaum Englisch kann und noch weniger daheim ist als ich. Also nicht ganz das 100% true American undergrad feeling. Anders als meine Kollegen haben wir aber ein eigenes Bad und können so dem (ortstypischen) Gemeinschaftsbad entgehen. Dass das Klo so schmutzig ist war seiner Aussage nach Schuld des Inders, der vor mir da wohnte, und immerhin hat auch am Montag die Putzfrau alles geputzt. Wenn ich das alles richtig verstanden habe. Klopapier haben wir auch erst seit gestern.
Trotz all unserer Kommunikationsprobleme hat er mir aber gezeigt, dass die Videothek, die ich auf dem Hinweg sah, keine solche, sondern ein 24-Stunden-Supermarkt ist. Allerdings dürfen die ab 23 Uhr keinen Alkohol verkaufen, so hat das katalonische Parlament es 1998 beschlossen. Glaube ich, denn wirklich verstehen kann ich die Schilder noch nicht. Ach, und außerdem scheint er Chomsky zu lesen, Chomsky als Politiker, nicht Chomsky als Linguisten. Muss er bestimmt; er studiert glaube ich PR oder so.
Ja, nu, Uni. Heute und gestern war alles noch einfach, die Vorlesungen behandelten allesamt Stoff, den ich spätestens im zweiten Semester gelernt habe; ab heute dürfte es aber schnell spannend werden — Tero Harju kommt. Sagt den meisten von Euch wohl nix; mir aber schon, ich weiß das mehr als nur zu schätzen.
#1 - Rächer der Nacht 2006-03-30 22:53 - (Reply)
Beneidenswert. Während wir hier im nicht ganz so wohlig warmen, dafür regnerischen Kaiserslautern (ca. 10°C) rumhocken, darfst du in Katalonieen rumwandern.
Ich hoffe, dir gefällt da Studium da und warte gespannt auf deine nächsten Blogeinträge.
Viele Grüße aus KL, Rächer der Nacht. ;-)
#1.1 - Erdferkel said:
2006-03-31 15:56 - (Reply)
Es ist gar nicht immer warm, manchmal hat es sogar bloß bittere 15°C. Wobei sich die angeblichen 20° von jetzt eher wie 25° anfühlen… Wandern kann man hier angeblich auch gut, so von wegen Berge und so.
Gruß zurück!
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