Im Laufe seines Lebens sammelt man gewöhnlich eine mehr oder weniger schnell wachsende Liste von Dingen an, die zwar Spaß machen, in größeren Mengen aber schnell Probleme bereiten. Leider bin ich, ach, von geringer Disziplin, und nur selten in der Lage, einer Versuchung lange zu widerstehen.
Entsprechend oft trage ich die Konsequenzen, und damit meine ich nicht nur meinen Wanst1 vom Essen oder Peinlichkeiten durch Alkohol2, sondern auch so Dinge wie Zeitmangel durch Internetkonsum und Zynismus durch Verfolgen politischer Vorgänge, aber auch solche positiven Folgen wie wissenschaftliche Veröffentlichungen durch exzessives Nachdenken.
Nicht alle Exzesse haben also negative Folgen3, und nicht alle negativen Folgen sind gleich schlecht. Es gilt also, wenn man denn schon schlecht im Widerstehen ist, sich nach Möglichkeit auf eine Auswahl zu beschränken und geschickt zu optimieren.
Nun sind mir in den letzten Tagen zwei Dinge aufgefallen, die mich zwar zu Übermaß verleiten, aber im Endeffekt dem emotionalen, intellektuellen und bildungstechnischen Äquivalent einer Popcornernährung entsprechen: Twitter und Politik, insbesondere Twitter zum Thema Politik.
Deutlich wurde mir das durch diese unsägliche BT-Affäre4, der ich heute und gestern zu viel Aufmerksamkeit gewidmet haben. Twitter, Blog, Forum, Twitter, Reload, Reload, usw. — und im Endeffekt bin ich ein wenig informierter als vorher, aber ziemlich sauer, und geschafft habe ich noch weniger als zuvor.
Also ist es mal wieder an der Zeit, die Newsfeeds auszumisten und alles politische rauszuschmeißen, außerdem sperre ich twitter.com und diverse Foren mit guter, alter Frickelei an der /etc/hosts. Letzteres ist zwar ein wenig schade6, aber insgesamt sollte das meinem Blutdruck gut tun. Und immerhin ist da noch dieser Beweis, mit dem ich mich seit Monaten rumplage…
1 Schreisse!
2 Wie zum Beispiel die Sache mit den Einkaufswagen; oder das eine Mal beim heimweglichen Warten auf die U-Bahn, als ich versehentlich viel zu laut erwähnte, dass ich nicht… aber das gehört nicht hierher. Wichtig ist mir jedoch, dass ich auch ohne Alkohol peinlich sein kann.
3 Mal ganz abgesehen davon, dass die im Exzess gewonnene Freude durchaus positiv empfunden und erinnert werde kann. Also, letzteres zumindest meistens.
4 Ich meine natürlich nicht BitTorrent, sondern den verwirrten Typen, den die Piratenpartei auf den hintersten rheinland-pfälzischen Listenplatz gesetzt hat (der Spiegelfechter fasst das gewohnt schön zusammen). Ich glaube auch nicht, dass dieser Thiesen ein Nazi ist; aus den Dingen, die ich über ihn gelesen habe, tippe ich eher auf einen sehr verwirrten Nerd5. Prinzipiell sei ihm das ungenommen, aber so jemanden stellt man doch nicht zur Wahl auf; jedenfalls nicht, wenn man meine Unterstützung will. Und für sowas habe ich um Unterstützerunterschriften geworben — gut, dass kaum jemand dieses Blog liest.
5 Ich kenne solche; die einschlägigen Anekdoten gehören zu den Unblogbarkeiten des zweiten Kreises und sind auf Nachfrage zu erfahren. Also, eigentlich kenne ich genau einen, aber der reicht für viele.
6 Vor allem, da gewisse Gestalten inzwischen gar nicht mehr bloggen, aber recht regelmäßig twittern und sich dafür herzlich schämen sollten!
#1 - Erdferkel said:
2009-07-08 11:10 - (Reply)
Ach, in der Überschrift habe ich ganz Évariste Galois vergessen. Weed Atman und Évariste Galois, natürlich! Und in beiden Fällen ohne den Romanzen-Anteil.
#2 - c.fe said:
2009-07-10 01:16 - (Reply)
Wie zum Beispiel die Sache mit den Einkaufswagen; oder das eine Mal beim heimweglichen Warten auf die U-Bahn, als ich versehentlich viel zu laut erwähnte, dass ich nicht… aber das gehört nicht hierher. Wichtig ist mir jedoch, dass ich auch ohne Alkohol peinlich sein kann.
Oder das mit dem Pony… Juhu, dank des obigen Beitrages ging ich dieser doch eher amüsanten Erinnerung nicht verlustig.
#2.1 - Erdferkel said:
2009-07-10 10:16 - (Reply)
Apropos! "Mein Jahr war eigentlich ziemlich ereignislos." Ah, süße Nostalgie.
#3 - dlg 2009-07-10 01:54 - (Reply)
Die eigentlich Frage hier ist doch: Sollte Fussnote 5 nicht eigentlich Fussnote 6 sein? Ich finde schon. Im allgemeinen finde ich geschachtelte Fussnoten seltsam, wenn nicht sogar verwerflich.
#3.1 - Erdferkel said:
2009-07-10 10:27 - (Reply)
Das habe ich mir auch gedacht und beide Varianten ausprobiert, aber so recht gefallen hat mir keine. Ich habe dann einfach die vorhandene verwendet, weil ich nicht noch mal alles umschreiben wollte. Vier Zeichen Arbeit sind vier Zeichen Arbeit.
Und eigentlich teile ich Deine Bedenken zu geschachtelten Fußnoten (in meinem Latextest eben wurde die sogar ignoriert), aber ich schreibe Blogartikel bewusst anders als meine sonstigen Texte. All die Dinge, die ich mir sonst verkneifen muss, kann ich hier vollkommen frei und exzessiv benutzen.
Deswegen finden sich hier immer wieder lange Listen von Fußnoten, mäandrierende Schachtelsätze und Sprünge, verschiedenste Anspielungen und ähnliches; nicht aber solche verwerflichen Dinge wie doppelte Ausrufezeichen.
Geschachtelte Fußnoten sind zwar eigentlich doof, aber Exzess ist immerhin eines der Themen dieses Eintrags.
#4 - Sensenmann said:
2009-07-10 15:13 - (Reply)
Zu FN 4. Er stimmt dem EF vorrangig zu. Verwirrter Nerd, vielleicht auch unverstandener Nerd (in manchen Teilen).
Letztlich macht die PP wegen dieser Geschichte sich nicht unwählbar – zumindest nicht in seinen Augen. In seinen Augen muss etwas mehr vorkommen, als eine Person, die aus der Reihe tanzt.
Er ist trotzdem der Meinung, wie das EF, dass eine solche Person nicht gewählt werde müßte.
Er ist der Meinung, dass die PP vielleicht wirklich in Phase drei angekommen ist: "Spruch":http://www.zitate-online.de/sprueche/historische-personen/18623/zuerst-ignorieren-sie-dich-dann-lachen-sie.html
Er grüßt alle recht freundlich
Sensenmann
P.S.: Da meine erste Variante des Posts, wegen eines dummen Zufalls verloren gegangen ist, schreibe ich aus Protest in der dritten Form Singular.
PPS: Ok, der dumme Zufall war das unachtsame Klicken des Linkes über die Textile Formatierung.
PPPS: Welche anscheinend trotzdem nicht geht .
#4.1 - Erdferkel said:
2009-07-13 16:53 - (Reply)
Die Existenz des Typen macht die Partei für mich nicht unwählbar -aber sein Vorhandensein auf der für mich relevanten Landesliste (denn immerhin wussten die, wen sie da aufgestellt haben) sowie diverse sehr zweifelhafte Äußerungen von verschiedenen Parteimitgliedern lassen mich dann doch vom Sympathisanten zum skeptischen Beobachter werden.
Der Gandhi-Spruch wird übrigens, ohne das unfreundlich oder persönlich zu meinen, in diesem Kontext viel zu oft verwendet. Man darf nicht vergessen, dass ein großer Teil der Kritik in diesem Fall nicht von "ihnen" stammt, sondern von enttäuschten Sympathisanten und Parteimitgliedern. Meine derzeitige Einstellung zur PP wird weder durch Lachen, noch durch Kämpfen angemessen beschrieben – das ist eher Fremdschämen.
Das soll natürlich niemanden sonst davon abhalten, diese Partei zu unterstützen. Ich fände es sehr toll, wenn meine Sorgen sich nicht erfüllen — leider sehe ich zur Zeit große Probleme, die mir in der Form vor kurzem noch nicht bewusst waren.
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