Wie angekündigt nun der vor einem halben Jahr begonnene Artikel über ein Hippiepeniswebcomic. Hans, die Kinder und das Haus und Büffelhorden erledigen wir dann demnächst, echt jetzt.
Vor mehreren Monaten erinnerte ich mich grundlos und spontan dran, vor rund zwei Jahren ein durch und durch irritierendes Webcomic entdeckt zu haben: Eine Schilderung einer utopisch-harmonischen Gesellschaft, die sich ständig im Konflikt mit den reaktionär-aggressiven Nachbarn befindet, stilistisch durchdrungen von freundlicher Naivität, mit einem starken Nebengeschmack eines 80er-Friedensmarsch-Alternativitäts-Feelings.
Für Webcomics nicht gerade unüblich haben die Frauen recht große Brüste, die Männer hingegen sind kriechende Penisse. Penisschnecken, oder sowas. Anders, als diese Beschreibung vielleicht vermuten lässt, sind die Geschichten aber nicht obszön, sondern einfach nur sehr, sehr gutmenschenhaft und in einer überraschend detailliert erarbeiteten Welt angesiedelt. Und wirr, natürlich und vor allem. Sehr wirr. Jedenfalls erinnerte ich mich an dieses Werk, doch auch nach längerem Nachdenken fielen mir weder Name noch URL der Seite ein, und nach und nach wuchs meine Besorgnis.
Sollte ich mir das ganze etwa nur ausgedacht haben? Erinnerte ich mich an einen besonders blöden, aber dafür um so detaillierteren Traum? Wie war ich auf damals darauf gestoßen? Ich bin doch kein Mensch, dessen Fantasie Webseiten zur Welt der Hippiepenisse erfindet!
Exzessives Durchforsten der kanonischen Seiten zum Verspotten kurioser Gestalten mit Hilfe von Google führte zu nichts; nirgendwo fand ich auch nur eine Spur, und ich begann am mir zu zweifeln. Nein, dachte ich, ich will nicht jemand sein, der von Öko-Penis-Webcomics träumt; schlimm genug, dass ich über solche absurden Kuriositäten stolpere, doch ganz gewiss will ich nicht als erster an so etwas denken. Inzwischen war es drei Uhr (Freitag) nachts, ich hatte in etwa vier Stunden, ganze vier erfolglose Stunden, mit der Suche nach diesem Banal-Gral verbracht — dabei wollte ich die Seite nicht einmal lesen, sondern einfach nur wissen, dass sie wirklich existiert, um sie danach zu ignorieren. Aber, und das gebe ich ehrlich zu, besonders störte mich, dass mein ansonsten starkes Google Fu versagte.
Nun ja, ich gab dann auf, und als ich am nächsten Morgen erwachte fiel mir, klischeehaft und doch so wahr, der Name plötzlich wieder ein. Zwei Vorsätze leite ich aus dieser Geschichte ab: Zum einen sollte ich vielleicht wirklich weniger wirren Mist lesen, denn irgendwie ist man ja doch nur eine offene Milchtüte im Kühlschrank der Kultur, und zum anderen sollte ich markanten Mist doch besser so schnell wie möglich verbloggen, um später einfach nachschlagen zu können. Am besten mit prägnanten Stichwörtern, anders als bei Hans, den Kindern und dem Haus.
Oh, ja, genau. Falls jemand glaubt, das ganze selbst lesen zu müssen, bitte sehr. Grob geschätzt insgesamt so FSK 12 (wegen gelegentlicher Gewalt), würde ich mal sagen, aber eigentlich eher doch 6; gemessen an den Dingen, die man sonst so im Internet finden kann, ist es sogar erfrischend freundlich, harmlos und positiv, aber immer noch verdammt wirr. Zwar weniger wirr als Time Cube, aber wirr, vom Weltbild her auch nicht wirrer als z.B. das von den üblichen Spottseiten weit bemerktere Minimum Security.
Neben dem Präsidenten standen auch diverse andere Dinge zur Wahl, in Kalifornien z.B. die berüchtigte und massiv propagandistisch unterstützte Proposition 8; ein Verfassungszusatz, der Ehen als ausschließlich ungleichgeschlechtlich definiert und anscheinend angenommen wurde.
Wer gelegentlich einigermaßen politische Blogs oder auch nur die Nachrichten “von drüben” verfolgt weiß das natürlich längst und interessiert sich vielleicht für jenen Artikel über den Sponsor Ahmanson – Millionenerbe, religiöser Fanatiker, Hauptsponsor der religiösen Rechten (samt Kreationisten). Nun ist der Artikel gewiss nicht neutral geschrieben, aber: “My goal is the total integration of biblical law into our lives”, woah.
Außerdem hat er Tourette-Syndrom, was dem ganze nahezu doktorseltsameske Dimensionen verleiht.
Einerseits finde ich es natürlich prinzipiell positiv, wenn jemand seine Millionen einsetzt die Gesellschaft nach seinen Wünschen zu formen, wohl aber wäre es mir wesentlich willkommener, wenn diese Wünsche weit weniger wahnsinnig wären.
Mein Mentor — Betreuer klingt so schrecklich nach Pfleger — diagnostizierte mir vor langer Zeit einen “kuriosen Büromittelfetischismus”, was gewiss nicht nett formuliert, aber doch teilweise verständlich ist (wir erinnern uns).
Eigentlich bin ich in der Hinsicht ein Freund des Fortschritts, Nutzer modernster Hefttechnologien, wobei ich (anders als bei meiner Musik) auf Elektrizität verzichte, und doch schätze ich die Geschichte des Heftertums. Daher empfehle ich eines der wertvollsten Blogs des ganzen Internet, das (ein wenig unehrlich benannte) Stapler of the Week. Erblickt die wunderbare Welt historischer Hefter!
Nebenbei erinnert mich das daran, dass ich hier noch einen fast fertigen Artikel über das Eisenbahnmuseum von Sacramento rumliegen habe, der wie meine Verteidigung der Linguisten und meine schreckliche Geschichte über ein Hippiepeniswebcomic eigentlich schon längst hier stehen sollte. Weniger fertig, aber schon lange geplant, ist meine Ode an den Heftklammernentferner, das wertvollste Hilfsmittel überhaupt. Doch Konzentration ist wertvoll, und viel zu viel davon verzehrt die Plackerei in den Beweisminen.
Die meisten Studierenden dürften mit der folgenden Szene trotz ihrer Unschärfe eine gewisse Verbundenheit empfinden:
Dies war allerdings kein subversiver Kommentar geknechteter Drittsemester, sondern lediglich etwas in der Art einer Anwerbeaktion einer Marketingfirma.
Aufmerksame Beobachtende bemerken, dass es an unserem Campus Säulen gibt; Säulen aus echtem Stein, keine Imitate aus Holz oder Blech.
Aus den Gepäckbedingungen der Airline bmi:
Saudi Arabia – UK: Up to 10 litres of holy water in a single container (shrink wrapped and secure) is permitted as hold baggage to the UK in addition to normal allowance. The holy water container cannot be carried as hand baggage.Aus Frankreich oder Italien hingegen geht das nicht, was wahrscheinlich daran liegt, dass Katholiken doch bitte anglikanisches Weihwasser zu benutzen habe.
Jedenfalls, mal wieder eine Reise im Dienst der Wissenschaft. Jener ist übrigens recht zeitintensiv, mein fortgesetztes Schweigen hier ist vor allem darauf zurückzuführen — doch fand ich, ach, vor anderthalb Wochen tief in den Beweisminen ein kostbares Kleinod, das ich in den letzten Tagen schliff und polierte. Besonders froh macht es mich, dass ich (soweit ich mich erinnern kann), noch nie zuvor einen wichtigen, veröffentlichenswerten Beweis schuf, der ganz ohne Fallunterscheidungen auskommt. Demnächst mehr Blogaktivität, wenn mir nicht ein paar besonders gute Ideen dazwischenkommen.
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Comments
Tue, 02.12.2008 22:22
Interessanterweise ist der Zustand einer Touringmaschine natuerlich ziemlich trivial eine natuerliche Zahl in [...]
Fri, 28.11.2008 20:33
Ich mag xkcd auch gerade wegen der ernsthafteren Episoden. Der Mix machts. Da ich öfter mal was nicht verstehe, lerne [...]
Thu, 27.11.2008 10:49
Jap… seh ich genauso… blau!!! Die Beste Farbe/Zustand! ^^ Nicht nur bei Magic! ^^
Fri, 21.11.2008 09:47
Hm, NS darf man aber auch nicht vom Anfang lesen; die Hälfte der Sachen hat keine oder nur total obskure Pointen, da [...]
Fri, 21.11.2008 09:12
xkcd hatten wir erst letztens auf dem IRC (NS scheint hingegen Lichtblicke zu haben): A: Ich weiß nicht, ob man einen [...]