Neulich stieß ich beim Einkaufen auf eine computerspielerische Perle, von der ich überraschenderweise noch nie etwas gehört hatte, oder die ich (wenn man das Thema bedenkt noch überraschender) komplett vergessen hatte: Das Adventure Sherlock Holmes: Die Spur der Erwachten, ein Crossover, in dem Sherlock Holmes auf den Cthulhu-Mythos trifft. Ein Adventure, mit Sherlock Holmes und Cthulhu, für 9,99, wie hätte ich da widerstehen können?
Und tatsächlich, trotz aller Unzulänglichkeiten in der Grafik (die, so bin ich mir inzwischen sicher, nicht alle allein Schuld meines Rechners sind), und auch wenn einige Rätsel eher mäßig geraten sind und geradezu nach Verwendung von Lösungshilfen schreien, welch ein grandios atmosphärisches Spiel, welch eine herrliche Kombination!
Ich werde nichts von der Story verraten, nur so viel sei gesagt: Die Geschichte ist zuallererst eine Holmes-Geschichte, der Mythos sickert nur nach und nach am Rande durch, und bis zum Schluss bleibt vollkommen offen, ob all die schrecklichen Wesenheiten nun wirklich existieren oder nur Wahnvorstellungen verrückter Kultisten sind. Überhaupt beweisen die Autoren ein gewisses Gefühl für ihren Stoff, Holmes und Watson wurden, soweit ich das all die Jahre nach meiner letzten Lektüre der Doyleschen Texte beurteilen kann, perfekt getroffen (des öfteren dachte ich mir mitten im Spiel “Ein typischer Holmes-Moment!”, ohne jetzt noch konkrete Anlässe dafür zu nennen), und auch die Mythos-Anspielungen werden gezielt und wohldosiert angebracht. Da verzeihe ich sogar den (sehr kurzen) Subplot mit der Rübenschnapsmafia und die ebenfalls ein wenig deplaziert wirkende aber doch unterhaltsame Slapstick-Verfolgungsjagd im Hafen von New Orleans.
Ein angenehmes Spiel für einen netten Abend, wobei man allerdings wirklich für einige eher doofe Rätse eine Komplettlösung zur Hand haben sollte. Außerdem sollte man dort einen Patch runterladen, denn zumindest meine DVD enthielt eine gänzlich ungepatchte Version, bei der man keine Cut-Scenes unterbrechen konnte.
Die hiesige Infotik-Fachschaft bügelt den durch die bereits erwähnten Plakate bei mir verursachten Eindruck ein wenig aus, indem sie mit der Mathematik zusammen Plakate wie jenes aufhängt:

Naja, eigentlich verstärken sie meinen Eindruck dadurch nur, aber wer kann schon cthulhuidem Charme widerstehen? Selbst Werbung für so etwas meist eher langweiliges wie Raclette mit Fremden gewinnt durch eine sparsame Verwendung von Cthulhu.
Nehmt Euch ein Beispiel, Fachschaftler in Kaiserslautern!
Und um die Frage der Überschrift zu beantworten: Am Ende gar sowas.
Das ist nicht tot, was ewig liegt, und das Internet vergisst nur wenig. Auch wenn Warner zwei Drittel der Folgen der Gotham Girls verschweigt, die Wikipedia eilt zur Hilfe und hat direkte Links parat. Doch davon handelt dieser Eintrag nicht, vielmehr möchte ich auf einen Nachbarn der Gotham Girls hinweisen, eine Reihe von Mythosspielen namens Arcane, die sich mir heute nach mehr als vier Jahren ohne jeden Grund wieder ins Gedächtnis drängte.
Dafür, dass es Flashspiele aus dem Webäonen zurückliegenden mystischen Jahr 1999 sind, wirkt die Grafik noch recht passabel, und das Spielprinzip darf mit dem unausgesprochenen Motto “Lös flink unsere Rätsel oder werde von schattenhaften Wesen gefressen, die so schrecklich sind, dass wir sie gar nicht erst zeigen” als durchaus genrekonform bezeichnet werden.
Doch, leider, ach, enthält Warner uns die eigentlich Flash innewohnende Skalierung vor und will uns zwingen, alle acht Folgen in einer unzumutbar kleinen Auflösung zu spielen (oder zu verzichten). Doch auch dieses Übel hat eine gute Seite, denn als ich beim Hersteller für Euch, meine werten Lesenden, nach einer guten Gewissens verlinkbaren besseren Auflösung suchte, stieß ich darauf, dass die bei Warner vorgestellten Folgen tatsächlich die zweite Staffel sind, die vorhergehenden vier verschweigen sie.
So präsentiere ich, errungen durch besagtes Geheimwissen und Google, alle 12 Folgen in jenem werbeverseuchten Blog, für Eilige sogar mit Komplettlösungen (erste Folge blogtypisch ganz unten). Die Flashfiles versuchen zwar immer wieder mal nichtexistente Seiten zu öffen, aber spielbar sind sie trotzdem, und noch dazu besser aufgelöst als bei den Warners.
Ach, Nostalgie und Yog-Sothothery, und endlich mal wieder ein Grund, die Chtulhu-Kategorie zu wecken.
(Diesmal sollte man vielleicht bis zum Ende lesen, bevor man Links klickt. Vielleicht.)
Heute bei MetaFilter entdeckt: Den noch mutantigeren Nachfolger zum Squidblog. Oder zumindest eine Ergänzung dazu, denn die Neuentdeckung wird zwar deutlich öfter aktualisiert, dafür sind die Texte auf russisch. Aber das macht nix, denn da sind viele, viele Bilder (1. Warnung, Modem-Retro-Typies könnten unglücklich werden), außerdem sind auf manchen Bildern nackte Frauen zu sehen (2. Warnung, und eine verschenkte Chance für eine kanonische Amerikaner-Anspielung). Wenn aber, dann liegen die Kraken einfach nur so rum, also gibt’s da nicht einmal eine ordentliche Chance für kanonische Japaner-Anspielungen – Kunst halt. Wenn jemand Kraken-Pornos sucht kann er mir ja mailen, ich werde ihn hier öffentlich anprangern und mich über ihn lustig machen ihm bescheid sagen, falls mir sowas mal unterkommen sollte. Wo auch immer1.
Aber – Kraken, hach. Sind sie nicht knuffig? Und die Tintenfische erst!
Die FAZ berichtet vom neuen Mercedes-Museum, das so verworren ist, dass es kein Mensch versteht. Bis hierhin mag das ja alles sein, aber wirklich unheimlich ist der Teil:
Die Besucher können auf ihrem Streifzug durch die Ausstellung zwischen fünf zweigeschossigen, zum Atrium ausgerichteten “Mythosräumen”
Ab 2006 gibt’s die neue M-Klasse: Mi-Go-Hirnzylinder. Weltraumtauglich.
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