Nun denn, Genossen, ich gestehe es ganz offen: Ich habe ein Alkoholproblem. Allerdings nicht im landläufigen, banalen, all zu bekannten Sinn, sondern genau andersrum: Ich trinke zu wenig, oder ich besitze zu viel, eins wie’s andere. Im Lauf der letzten Jahre hat sich eine kleine aber nette Sammlung an Flaschen angehäuft; und jetzt, wo ich in weniger als drei Monaten ins Ausland umziehen werde, sehe ich in den Importbestimmungen gewisse Probleme. Und selbst wenn ich alles mitnehmen könnte, ich zögere, mehr Alkohol als Bücher in meine neue Wohnung mitzunehmen.
Die kanonische Antwort auf dieses Problem ist wohl “Party machen, wegsaufen”; allerdings ist der größte Teil der Ansammlung zu schade, um einfach wegzukippen oder ihn an Leute zu verschwenden, die nicht den Unterschied zwischen Gorbatschow und einem trinkbaren Wodka schmecken können. Noch dazu wurden mir viele der Flaschen geschenkt, und Geschenke sind meiner Meinung nach mit Respekt zu behandeln und nicht weiterzuverschenken, wodurch der zweite übliche Vorschlag (auch in der Form “gib’s mir”) ebenfalls wegfällt.
Wenn nicht der größte Teil meines Umfelds aus Nichttrinkern bestünde hätte ich dieses Problem gar nicht; alleine schon deswegen sollte ich vielleicht versuchen, ein paar Leute zu kontrolliertem, verantwortungsvollem Konsum zu verleiten (He, c.fe, auf Dauer kannst Du nicht entkommen). In dem Foto (klicken zum Vergrößern) sieht man übrigens den Teil, den ich aus den oben genannten Gründen in meinem Zimmer (und nicht im beleuchteten Barschrank) aufbewahre; nicht im Bild sind zwei Whisky-Flaschen, die Whisky-Freunde zwar nicht als untrinkbar, dafür aber als wenig schützenswert einstufen würden. Die fallen aber wiederum unter Punkt 2.
Oh, elende Auch-ohne-Alkohol-Spaß-Haber, elende Sammelleidenschaft, elende Grenzen, elende Mäßigung! Im Endeffekt werde ich das alles wohl bei meinen Eltern einlagern und immer wieder mal eine Flasche mitnehmen, stets darauf bedacht, den Vorrat gezielt zu verringern. Oder ich hoffe auf eine bessere Idee.
Bei Gnomens zu Hause ist heute Weinfestendfest. Eine Zeit lang behauptete er, dass es das größte Weinfest Deutschlands wäre; dann relativierte er (nach Anerkennen dieses Wurstmarktes, oder so) das ganze schnell zu einem ziemlich großen Weinfest und lobte den Tag des Abschlussumzuges, den “einzigen Tag des Jahres, an dem man nicht schief angeschaut wird, wenn man schon um 14 Uhr betrunken ist”. Neustadt an der Weinstraße hat also anscheinend keine Karnevals“kultur”, was den Pfälzern einen Sympathiepunkt bringt.
Jedenfalls, heute so gegen zwölf wunderte ich mich dann, warum der Gnom sein Zimmer noch nicht verlassen hatte. “Da muss er sich schon sputen, mit dem um zwei betrunken sein und überhaupt.” Nach einer kurzen moralischen Diskussion mit mir selbst beschloss ich dann, uns einen Kaffee zu machen und ihn dann doch zu wecken, man ist ja kein Unmensch und so, nur um überrascht festzustellen, dass er sich irgendwann vor neun aus dem Haus geschlichen haben muss. Naja, die Absicht zählt, aber den Kaffee werde ich nicht bis morgen für ihn aufheben.
Nachdem ich in der Sneak Der verbotene Schlüssel gesehen habe (Hoodoo-Thriller, Anika und die anderen fand ihn wohl gut, ich eher borkig) bin ich überzeugt, dass unsere WG verflucht wurde. Ich hatte mich hier ja schon öfter über die kuriose Auswahl an Gestalten beschwert, die meistens nicht einmal den Weg zu uns finden; aber langsam erkenne ich eine erschreckende Regelmäßigkeit.
Die paar Leute, die es schaffen, auf Mails zu antworten oder telefonisch erreichbar zu sein, so dass man mit denen endlich mal einen Termin ausmachen kann, tauchen nie bei uns auf. Wir hatten in der letzten Zeit bestimmt drei Termine, bei denen die potentiellen Mitbewohner einfach nicht aufgetaucht sind. Ich könnte es ja verstehen, wenn sie nach dem ersten Blick so etwas wie “Ein Gnom, ein Erdferkel – Mutanten, nicht mit mir!” oder so rufen und sofort mehr oder weniger diskret abhauen würden, aber dass sie sich erst mit uns verabreden und dann einfach vorher schon verschwinden ist wirr und sinnlos (und unhöflich, aber das ist ja nebensächlich).
Ja, und die eine, die uns eigentlich zugesagt hatte und nur noch einen Nachmieter finden musste, ist inzwischen verschollen und reagiert nicht mehr.
Deswegen lese ich jetzt wieder alte Hoodoo-Schriften und tanze dunkle Voodoo-Tänze im oberen Wohnzimmer, denn so geht das ja nicht. Wer immer uns verflucht haben mag wird den Zorn des Erdferkels spüren!
Nachdem ich in den letzten Tagen immer wieder mal ein etwas planlos klingendes Maunzen gehört habe vermute ich, dass der verschwundene Kater sich wieder in der Nachbarschaft herumtreibt. Die Zettel hängen zwar immer noch in der Gegend rum, aber weil ich eine Schwäche für Happy Ends (und natürlich eine noch größere für Katzen) habe rede ich mir ein, dass der Kater sich ziemlich übel verlaufen hatte und jetzt wieder zu Hause ist. Mau.
Außer natürlich bei so Sachen wie der Twilight Zone, da bin ich mit einem Happy End gewöhnlich nicht zufrieden. Aber normalerweise kommen da auch keine Katzen vor.
Also, wegen der Katzensache vom Montag… anscheinend ist die Katze ein Kater und immer noch verschwunden, jedenfalls kleben in der Nachbarschaft Zettel, auf denen ein “kleiner, schwarzgetigerter Kater” vermisst wird. Ich fühle mich bei solchen Zetteln immer reichlich deprimiert und hoffe, dass es dem armen Kater gut geht; trotzdem finde ich es reichlich befremdlich, dass “100% Finderlohn” versprochen werden.
Wie soll das gehen, wer die Katze findet darf sie behalten? Oder heißt das “Gib mir meine Katze wieder und Du kriegst eine andere dafür”?
Ich hoffe einfach mal, dass alles gut ausgehen wird. Zumindest für den Kater.
Jetzt weiß ich, zu wem die Stimme vom Nachbarhaus gehört, die immer wieder nach ihrer Katze sucht. Nicht etwa, wie man vom Klang her meinen könnte, einer etwas verwirrten Rentnerin, sondern der mittelalten Frau mit den knallrosa Haaren, die immer wieder mal Öko-Produkte kauft und ein wenig verwirrt guckt. Die Katze saß übrigens auch schon mal auf dem Baum im Nebenhof fest und scheint auch sonst nicht gerade besonders schlau zu sein. Wobei, vielleicht ist sie auch besonders schlau und will ihrer Halterin entkommen, kann man ja nie so genau wissen.
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Comments
Tue, 02.12.2008 22:22
Interessanterweise ist der Zustand einer Touringmaschine natuerlich ziemlich trivial eine natuerliche Zahl in [...]
Fri, 28.11.2008 20:33
Ich mag xkcd auch gerade wegen der ernsthafteren Episoden. Der Mix machts. Da ich öfter mal was nicht verstehe, lerne [...]
Thu, 27.11.2008 10:49
Jap… seh ich genauso… blau!!! Die Beste Farbe/Zustand! ^^ Nicht nur bei Magic! ^^
Fri, 21.11.2008 09:47
Hm, NS darf man aber auch nicht vom Anfang lesen; die Hälfte der Sachen hat keine oder nur total obskure Pointen, da [...]
Fri, 21.11.2008 09:12
xkcd hatten wir erst letztens auf dem IRC (NS scheint hingegen Lichtblicke zu haben): A: Ich weiß nicht, ob man einen [...]